19.11.2017 von Delia Imboden

Lampenfieber, Bühnenpräsenz und Körpersprache

Die Sofalesungen stellen nicht nur neue literarische Stimmen aus der Schweiz vor, sondern fördern gleichzeitig auch junge Moderatoren und Moderatorinnen. Im Rahmen der BuchBasel luden die Sofalesungen zu einem Moderationsowkrshop ein.

Ihre Hintergründe könnten kaum unterschiedlicher sein: Journalistinnen, Lehrer, Autorinnen... Manche haben schon viel Erfahrungen, andere weniger. Seit die Sofalesungen vor rund drei Jahren ins Leben gerufen wurden, haben rund dreissig verschiedene Moderatoren und Moderatorinnen Sofalesungen moderiert. Zehn davon treffen sich  an diesem Samstagnachmittag auf Einladung der Sofalesungen im Carambolage in Basel zu einem Moderationsworkshop.

Ziel ist es unter der Leitung von Donat Blum, Moderator, Autor und Literaturvermittler, und Leonie Stein, Dozentin für Theater, Tanz und Performance und Regisseurin, Moderationstechniken zu verfeinern und zu vertiefen, am eigenen Auftreten als Moderator_in zu feilen, neue Inputs auszuprobieren und professionnelles Feedback zu erhalten.

Während es draussen stürmt und regnet, sitzen die zehn Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einem grossen Tisch und stellen sich kurz vor. Ein erstes Feedback folgt zugleich: Denn sich selber vorzustellen, hat auch einiges mit Präsenz zu tun und diese ist unabdingbar für eine gute Moderation. „Versucht euren Namen klar und deutlich wie einen Titel zu nennen und dann lasst darauf eine kleine Denkpause folgen“, erklärt Leonie Stein. Es geht auch darum, dem eigenen Namen und der eigenen Person Raum zu geben. Donat Blum präzisiert: „Einer guten Moderator_in gelingt es, eine Bühne zu schaffen, auf der sich der Gast wohl fühlt. Gleichzeitig schafft sie/er es mit aufrichtiger Aufmerksamkeit, Charme und Interesse, den Funken, von dem, was den Gast auszeichnet, aufs Publikum über springen zu lassen.“

Dann folgt ein Sprung ins kalte Wasser. Mit nur knapp 3 Minuten Vorbereitungszeit, sollen sich immer zwei Teilnehmerinnen gegenseitig in einer Kurzmoderation vorstellen. Eine Herausforderung, die unterschiedlich angegangen wird. Vorgestellt wird auf Schweizerdeutsch, Hochdeutsch, präzise, mit Humor, traditionell oder unkonventionell. Stein und Blum geben wiederum wertvolles Feedback.

Erstaunlicherweise jedoch erst einmal weniger zum Inhalt, als vielmehr zur Aussprache, dem Sprechtempo, der Körpersprache und der Körperhaltung der Moderatoren und Moderatorinnen. „Die Körpersprache ist sehr wichtig und geht Hand in Hand mit der Präsenz. Hier gilt grundsätzlich weniger ist mehr, beispielsweise eher wenig gestikulieren mit den Händen und Aufmerksamkeit ohne Angespanntheit zeigen“, betont Leonie Stein. Eine Schwierigkeit des Moderierens ist jedoch die Aufmerksamkeit gleichzeitig bei sich selber, aber auch beim Gegenüber und dem Publikum präsent zu halten. Um das zu Üben, leitet Stein einige Körperübungen an. Die Teilnehmer_innen werden sich selber und ihrer Atmung bewusst, üben Konzentration, Wachheit und auch Authentizität und spüren die eigene, aber auch die Präsenz der anderen. Wie aber erkennt man den Präsenz auf der Bühne? „Das Erkennen ist, und  da würde mir Leonie glaube ich zustimmen, sekundär. Zuerst spürt man es. Einen offenen Blick kann man „erkennen“, eine aktive Körper-Haltung, denke ich auch“, meint Blum.

Es wird jedoch auch klar, dass es wichtig ist seine individuelle Körpersprache zu finden, „und nicht eine Körpersprache wie sie beispielsweise Politiker anlernen“, wie Blum betont. „Ich selber mag es, wenn sich Menschen mit dem ganzen Körper in ihre Worte, ihre Aussagen und Fragen „reinlegen".“ Auch für Leonie Stein ist es klar: „Eine starke Präsenz ist immer unterstützend, egal in welchen Situationen. Sie ist Teil einer charismatischen Ausstrahlung.“ So bietet der Workshop nicht nur spezifische Moderationstipps und Tricks, sondern auch viele Kniffe, die man in Alltagssituationen anwenden kann.

Und wie steht es mit dem Lampenfieber vor dem Moderieren? Eine der Fragen, die viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen beschäftigt. Auch dazu hat Leonie Stein eine Körperübung vorbereitet. Dennoch „einen Geheimtipp gibt es leider nicht, aber sicherlich ist ein tiefes und bewusstes Ausatmen in jeder Drucksituation hilfreich!“, erklärt die an der Royal Ballet School in London ausgebildete Tänzerin. Donat Blum hingegen sieht die Lösung auch im Kennen der eigenen Ängste: „Seine Symptome zu durchschauen ist hilfreich, und sich so dann nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es eintritt – es ist ja nur Lampenfieber!“ Wenn es immer so einfach wäre…

Und doch nach dem dreistündigen Workshop sind alle Jungmoderatoren und Moderatorinnen mit einem Rucksack voller Tipps und Tricks ausgestattet, und damit auch bestens vorbereitet auf die nächste Moderation, die bei einigen auch schon bald ansteht. Doch auch der Blick auf andere Moderatorinnen und Moderatoren hat sich verändert wie Selina Hauswirth, eine der Teilnehmerinnen, mir einen Tag nach dem Workshop verrät: „Ich werde eine Lesung nie mehr mit den gleichen Augen sehen können wie vor dem Workshop.“

Der Workshop wurde ermöglicht durch die Pro Helvetia, Kulturstiftung